Das bewirken Trafo-Workshops: Interview mit einer Teilnehmerin

Trafo wird oft gerufen, wenn Unternehmen oder Bildungseinrichtungen bei Konflikten nicht weiterwissen. Wir haben mit einer Lehrerin gesprochen, die wegen solcher Probleme vor zwei Jahren gemeinsam mit ihrer Klasse einen unserer Workshops besucht hat.

Vera Schöley ist Dozentin für Ergotherapie und Klassenlehrerin an der Sozialpflegeschule Heimerer Leipzig. 2024 hat Trafo dort je einen ganztägigen Workshop für zwei Schulklassen angeboten.

Vera Schöley

Trafo: Frau Schöley, was war der Anlass für den Workshop?

Schöley: »In einer Klasse war es sehr chaotisch mit viel Streitpotenzial. Da ging es sehr politisch zu, es wurde viel gemobbt und es gab auch Verwarnungen von unserer Seite aus. Die Klasse war der Grund, warum wir Trafo geholt haben. Da haben wir gesagt: Wir müssen was machen, wir brauchen hier Hilfe, wir kommen als Schule nicht mehr weiter.«

Und wie lief der Workshop ab?

»Die Klasse hatte acht Stunden bei Trafo, beziehungsweise mit uns zusammen einen Workshop, wo es erstmal darum ging, dass sie sich kennenlernen und aufeinander einlassen. Es wurden kleine Spiele gemacht, damit sie langsam die Hemmungen verlieren. Dann wurden wir in Gruppen eingeteilt, haben viel erarbeitet und besprochen.«

Wie war das so?

»Am Anfang war die Klasse sehr distanziert und niemand wollte mitmachen, weil die Auszubildenden nicht wussten, was auf sie zukommt. Nach und nach haben sie sich aber immer mehr darauf eingelassen. Bei dem Gruppenspiel am Ende war die Mitarbeit höher und es gab das Feedback: Das war gut und wir nehmen uns das zu Herzen. Der Workshop fand mit zwei Klassen statt. Ich war in der Klasse, die nicht ganz so viel Konfliktpotenzial hatte.«

»Das war gut und wir nehmen uns das zu Herzen.«

Hatte das in Ihrer Klasse eine nachhaltige Wirkung?

»Im Nachhinein hat es ganz schön in der Klasse gearbeitet und es kam so ein Aha-Effekt. Es mögen sich immer noch nicht alle, das müssen sie auch nicht. Aber bei Gruppenarbeiten – und das brauchen sie ja später im Beruf – haben sie gelernt, mit ihrer Mimik und Gestik zu arbeiten, damit das Gegenüber nicht denkt: Ich mag dich nicht. Jetzt wissen sie, worauf es in der Ausbildung ankommt: Man muss nicht mit allen befreundet sein, sich aber mit Respekt behandeln.«

Und in der anderen, konfliktreicheren Klasse?

»Da hat sich das Blatt komplett gedreht. Die Schüler haben sich die ersten vier Stunden geweigert, mitzumachen, weil sie sich vorgeführt gefühlt haben. Aber im Nachhinein können wir sagen: Die Klasse hat einen absoluten Wandel gemacht. Die arbeiten jetzt zusammen, sind nicht mehr aufmüpfig, behandeln uns und sich selbst mit Respekt. Für die Klasse hatte das einen sehr großen Mehrwert.«

»Für die Klasse hatte das einen sehr großen Mehrwert.«

Konnten Sie auch etwas für Ihre Arbeit als Lehrerin mitnehmen?

»Auf jeden Fall die zufällige Gruppenmischung. Wir haben es sonst in der Ausbildung immer so gemacht: nur mit den Leuten, die sie mögen. Wenn man aber von Anfang an die Gruppen wild mischt, lernen sie sich besser kennen und lassen sich immer wieder auf eine neue Situation ein. Das haben wir uns als Schule zu Herzen genommen und machen jetzt immer bunte Gruppen. Das hat uns geholfen, Klassen zusammenzubringen.«

Inwiefern hat sich der Trafo-Workshop von anderen Workshop-Erfahrungen unterschieden?

»Es war sehr auf Augenhöhe. Die Workshopleitung hat sich auf die Situation eingelassen. Wenn zum Beispiel Schüler müde waren, wurden Pausen angepasst. Es gab eine grobe Struktur, aber es wurde sehr individuell auf die Klasse eingegangen. Und niemand wurde gezwungen, mitzumachen. Es wurde einfach akzeptiert. Das fanden wir sehr schön, weil wir einfach in der Ausbildung mittlerweile Schüler haben, die so viele Päckchen mitbringen. Die können sich nicht mehr acht Stunden konzentrieren. Denen ist das manchmal zu viel, die ziehen sich dann zurück. Das wurde ernst genommen und nicht hinterfragt. Das war schön.«

»Es war sehr auf Augenhöhe.«
Die Illustration hat ChatGPT generiert.

Das Interview mit Vera Schöley führte Peter Komarowski am 16. April 2026.